Gefrierschrank abtauen spart Strom – wie viel macht die Eisschicht wirklich aus?

Dass man den Gefrierschrank irgendwann abtauen muss, wissen die meisten. Dass eine dicke Eisschicht den Stromverbrauch spürbar in die Höhe treibt, ist dagegen erstaunlich vielen nicht bewusst – obwohl dieser Zusammenhang einer der sachlich überzeugendsten Gründe ist, das Abtauen nicht zu lange aufzuschieben.

Wie Eis den Energieverbrauch erhöht

Ein Gefrierschrank kühlt, indem Kältemittel durch Kühlschlangen an den Innenwänden zirkuliert. Diese Schlangen entziehen dem Innenraum Wärme. Bildet sich Eis auf diesen Schlangen oder an den Innenwänden, entsteht eine isolierende Schicht zwischen dem Kältemittel und dem Innenraum. Das Gerät muss dann länger und häufiger laufen, um dieselbe Temperatur zu halten – weil die Kälteleistung durch die Eisschicht abgeschwächt wird.

Eis ist kein guter Wärmeleiter. Genauer gesagt: Es ist ein deutlich schlechterer Wärmeleiter als Metall. Eine Eisschicht wirkt also wie eine Dämmung – nur an der falschen Stelle.

Was die Zahlen sagen

In der Fachliteratur und von Verbraucherschutzorganisationen wird häufig ein Richtwert genannt: Eine Eisschicht von einem Zentimeter Dicke kann den Energieverbrauch des Geräts um bis zu 30 Prozent erhöhen. Bei zwei Zentimetern oder mehr wird ein Anstieg von bis zu 45 Prozent genannt.

Diese Zahlen sind Schätzwerte und variieren je nach Gerät, Eistyp und Aufbau der Kühlschlangen. Aber selbst wenn man deutlich vorsichtigere Schätzungen ansetzt – sagen wir 15 bis 20 Prozent bei einem Zentimeter Eis – ist der Effekt wirtschaftlich relevant.

Ein durchschnittlicher Gefrierschrank verbraucht etwa 100 bis 200 Kilowattstunden im Jahr. 20 Prozent mehr bedeutet 20 bis 40 Kilowattstunden zusätzlich – je nach Strompreis zwischen 8 und 16 Euro pro Jahr, nur durch eine Eisschicht, die man ohne großen Aufwand entfernen könnte.

Der Kompressor als Indikator

Wer bewusst zuhört, merkt oft, dass ein stark vereister Gefrierschrank häufiger und länger läuft als ein frisch abgetauter. Der Kompressor schaltet sich häufiger ein, die Laufzeiten sind länger. Das ist kein Zufall, sondern direktes Ergebnis der reduzierten Kühlleistung durch die Eisschicht.

Bei sehr alten Geräten mit starker Vereisung kann es sein, dass der Kompressor fast ununterbrochen läuft – was nicht nur den Verbrauch erhöht, sondern auch das Gerät schneller verschleißt.

Wann es sich am meisten lohnt abzutauen

Der Effekt ist am stärksten, wenn die Eisschicht bereits mehrere Zentimeter dick ist. Ein frisch abgetautes Gerät, das seit einem Monat läuft und erst eine dünne Eisschicht gebildet hat, verbraucht kaum mehr als direkt nach dem Abtauen. Der Anstieg ist ein schleichender Prozess.

Das bedeutet: Wer regelmäßig – also etwa einmal im Jahr oder wenn die Eisschicht einen Zentimeter erreicht – abtaut, hält den Mehrverbrauch dauerhaft auf einem niedrigen Niveau. Wer jahrelang nicht abtaut, zahlt den Aufschlag kontinuierlich.

Abtauen als Teil der normalen Gerätepflege

Der Zusammenhang zwischen Eisschicht und Stromverbrauch ist ein gutes Argument für alle, die das Abtauen immer wieder aufschieben. Es geht nicht nur darum, mehr Platz im Schrank zu haben oder eine unangenehme Aufgabe zu erledigen – es geht auch darum, dass das Gerät dauerhaft effizient läuft.

Wer verstehen möchte, warum sich Eis überhaupt so schnell aufbaut, findet das im Artikel zu den Ursachen schneller Vereisung. Und wer das nächste Abtauen so angeht, dass die Eisbildung danach länger auf sich warten lässt, findet konkrete Maßnahmen im Artikel über das Eisfrei-Halten des Gefrierschranks.