Beim Abtauen des Gefrierschranks taut zwangsläufig auch ein Teil des Inhalts an. Und spätestens dann stellt sich die Frage: Was mache ich jetzt mit dem Fleisch, das nicht mehr ganz gefroren ist? Kann ich das einfach wieder einfrieren, sobald der Schrank wieder kalt ist?
Die Antwort ist differenzierter als die oft gehörte Faustregel „einmal aufgetaut, nie wieder einfrieren“ vermuten lässt.
Was hinter der Faustregel steckt
Die Warnung vor dem Wiedereinfrieren hat einen sachlichen Hintergrund: Wenn Fleisch auftaut, beginnen Bakterien, die bei Gefriertemperaturen inaktiv waren, wieder aktiv zu werden. Je länger und wärmer das Fleisch lagert, desto stärker vermehren sie sich. Wird das Fleisch dann wieder eingefroren, werden die Bakterien erneut inaktiviert – aber nicht abgetötet. Beim nächsten Auftauen starten sie wieder, diesmal von einer höheren Ausgangsmenge.
Das klingt bedrohlicher als es in den meisten Alltagssituationen ist. Denn entscheidend ist nicht ob aufgetaut wurde, sondern wie lange, bei welcher Temperatur und in welchem Zustand das Fleisch war.
Wann Wiedereinfrieren unbedenklich ist
Fleisch, das während des Abtauens in einer Kühlbox oder im Kühlschrank zwischengelagert wurde und dabei kalt geblieben ist – also nie nennenswert über vier Grad Celsius gestiegen ist – kann ohne größere Bedenken wieder eingefroren werden. Die Bakterienaktivität war in diesem Bereich minimal, die Qualität kaum beeinträchtigt.
Auch Fleisch, das zwar leicht angetaut, aber noch fest und kalt in der Mitte ist, fällt in diese Kategorie. Ein Hähnchenbrustfilet, das außen weich ist, innen aber noch Eiskristalle hat, ist nicht das gleiche wie ein Stück Fleisch, das stundenlang bei Zimmertemperatur gelegen hat.
Wann man lieber nicht wieder einfriert
Fleisch, das vollständig aufgetaut ist und dabei längere Zeit bei Raumtemperatur lag – mehr als zwei Stunden gelten als grobe Orientierung – sollte zeitnah verarbeitet werden, nicht wieder eingefroren. Das gilt umso mehr bei sommerlichen Temperaturen oder wenn die genaue Lagerzeit unklar ist.
Sichtbare oder riechbare Veränderungen sind ein klares Signal: Wenn Fleisch beim Auftauen einen unangenehmen Geruch entwickelt oder sich die Farbe stark verändert hat, ist das kein Fall mehr für das Einfrieren – sondern für den Abfall.
Fisch und Geflügel sind empfindlicher
Unter allen tierischen Produkten reagieren Fisch und Geflügel am schnellsten auf Temperaturschwankungen. Bei diesen Produkten sollte man etwas vorsichtiger sein als bei rotem Fleisch. Wer unsicher ist, kocht oder brät das Produkt lieber durch und friert es dann in gekochtem Zustand wieder ein – das ist in vielen Fällen die praktischere Lösung.
Gegarte Speisen, die aus aufgetautem Fleisch zubereitet wurden, lassen sich grundsätzlich problemlos einfrieren. Das Garen unterbricht die Bakterienaktivität, und das fertige Gericht kann wie jede andere zubereitete Mahlzeit eingefroren werden.
Was das für das Abtauen bedeutet
Wer beim Abtauen die Lebensmittel gut versorgt – in der Kühlbox, im Kühlschrank oder gut isoliert – muss sich um Fleisch in der Regel keine großen Gedanken machen. Die Situation, in der Wiedereinfrieren wirklich problematisch wird, entsteht meist durch Unaufmerksamkeit, nicht durch die Tatsache des Abtauens selbst.
Mehr zur Zwischenlagerung von Tiefkühlgut beim Abtauen steht im Artikel über das Gefriergut während des Abtauens.
