Irgendwann öffnet man den Gefrierschrank und steht vor einer Wand aus Eis. Die Schubladen lassen sich kaum noch herausziehen, der Platz ist auf ein Minimum geschrumpft, und hinten erkennt man die ursprüngliche Farbe der Innenwand kaum noch. Wie konnte das passieren – und was hat es in der Zwischenzeit angerichtet?
Was sich über Monate und Jahre aufbaut
Eis im Gefrierschrank entsteht schleichend. Jedes Mal, wenn die Tür geöffnet wird, strömt ein wenig feuchte Luft herein – die Feuchtigkeit gefriert an den Wänden. Das ist nach einem Monat kaum sichtbar, nach einem Jahr oft schon deutlich spürbar und nach zwei oder drei Jahren kann daraus eine mehrere Zentimeter dicke Eisburg geworden sein.
Was in dieser Zeit passiert, ist nicht nur ein optisches Problem.
Der Stromverbrauch steigt kontinuierlich
Das ist die Konsequenz, die sich am direktesten im Alltag bemerkbar macht, ohne dass man es unmittelbar bemerkt. Eine dicke Eisschicht isoliert die Kühlschlangen vom Innenraum – der Kompressor muss länger und häufiger laufen, um die Temperatur zu halten. Wer jahrelang nicht abgetaut hat, zahlt dafür jeden Monat ein bisschen extra auf seiner Stromrechnung. Der Effekt ist schleichend, aber real und über Jahre hinweg durchaus spürbar.
Der nutzbare Raum schrumpft
Das merkt man irgendwann direkt: Die Schubladen lassen sich nicht mehr vollständig herausziehen, weil das Eis sie blockiert. Pakete, die eigentlich problemlos hineinpassen sollten, finden keinen Platz mehr. In extremen Fällen – wenn das Abtauen wirklich jahrelang aufgeschoben wurde – kann die Eisschicht so dick werden, dass sich der nutzbare Innenraum auf die Hälfte oder weniger reduziert.
Was mit dem Kompressor passiert
Ein Kompressor, der dauerhaft unter erhöhter Last läuft, verschleißt schneller. Das ist kein dramatischer Sofort-Effekt, aber über Jahre hinweg macht es einen Unterschied für die Lebensdauer des Geräts. Manche Techniker berichten, dass bei älteren Geräten mit starker Vereisung der Kompressor schon fast dauerhaft läuft – ein deutliches Zeichen, dass das Gerät kämpft.
Die Lebensmittel leiden mit
Wer jahrelang nicht abgetaut hat, hat in seinem Gefrierschrank mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Lebensmittel, die längst hätten aufgebraucht werden sollen. Tiefkühlkost hat eine begrenzte Haltbarkeit – auch bei minus 18 Grad. Fisch und Fleisch verlieren nach sechs bis zwölf Monaten merklich an Qualität, Gemüse nach acht bis zwölf Monaten. Was hinten unter dem Eis begraben liegt, ist manchmal schwer zuzuordnen und noch schwerer einzuschätzen.
Das Abtauen ist also auch eine Bestandsaufnahme.
Was nach sehr langer Vereisung zu beachten ist
Wer einen wirklich stark vereisten Schrank vorfindet – Eisschichten von fünf Zentimetern oder mehr – sollte besonders geduldig vorgehen. Die heiße Wasserschüsselmethode ist hier die schonendste Option: langsam auftauen lassen, nicht mit Gewalt hacken. Denn bei extremer Vereisung besteht ein erhöhtes Risiko, beim Schaben die Kühlschlangen zu beschädigen, die tiefer in der Eisschicht sitzen als bei normaler Vereisung.
Nach dem Abtauen lohnt sich eine gründliche Reinigung und ein kurzer Check der Türdichtung – denn meistens hat eine jahrelange starke Vereisung einen Grund, und der liegt oft bei einer undichten Dichtung oder einem anderen Faktor, der sich wiederholen wird, wenn er nicht behoben wird.
Wer verstehen möchte, warum sich das Eis so schnell aufgebaut hat, findet die Ursachen im Artikel über schnelle Vereisung im Gefrierschrank. Und wer nach dem großen Abtauen verhindern möchte, dass es so schnell wieder so weit kommt, findet praktische Maßnahmen im Artikel über das dauerhafte Eisfrei-Halten.
